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Prof. Andreas von Tiedemann

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Prof. Dr. Andreas von Tiedemann

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atiede@gwdg.de

 

Georg-August-Universität Göttingen
Department für Nutzpflanzenwissenschaften
Fachgebiet für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz
Grisebachstr. 6
D-37077 Göttingen
Phytopathologie/Uni. Göttingen

 

Hypothesen:


  • Die aus den Klimamodellen abgeleitete mögliche Erwärmung in Niedersachsen, wird höchstwahrscheinlich besonders in den Wintermonaten zu spüren sein. In Zukunft sollen zudem im Winter deutlich mehr Niederschläge fallen als im Sommer. Diese zukünftigen Klimaänderungen  könnten negative und/oder positive Auswirkungen auf das Überleben und die Entwicklung von Schaderregern haben. Das hängt beispielsweise von der jeweiligen Art und deren maßgeblich betroffenen Entwicklungsstadien ab. Höchstwahrscheinlich wird es zu Veränderungen im Schaderregerspektrum kommen. Zum Beispiel ist einerseits mit dem Vordringen wärmeliebender Arten von phytopathogenen Bakterien, Pilzen, Viren, Insekten und Unkräutern nach Norden zu rechnen und andererseits mit Verschiebungen in der Bedeutung bereits in Niedersachsen etablierter Arten.
  • Auf der anderen Seite könnten die prognostizierten trockeneren Umweltbedingungen während der Sommermonate die Entwicklung von Schaderregern beeinträchtigen, die vergleichsweise hohe Feuchtigkeitsansprüche haben, während Schaderreger die an relativ trockene Bedingungen angepasst sind, in ihrer Entwicklung gefördert werden könnten. Hitzeperioden mit dem damit verbundenen Stress spielen dabei auch eine Rolle. Die sich höchstwahrscheinlich ändernde Entwicklung der Kulturpflanzen wird sich ebenfalls auf die Ergebnisse auswirken.
  • Die prognostizierte Zunahme extremer Wetterbedingungen könnte dazu führen, dass der Stress (z.B. Trockenstress) für Kulturpflanzen zunimmt und abiotische Schadfaktoren eine größere Bedeutung vor allem im Gartenbau einnehmen werden. Auf der anderen Seite könnten mildere Temperaturen im Winter dazu führen, dass der Vernalisationsbedarf (Kältereiz) einiger Arten (z.B. Blumenkohl) nicht mehr gedeckt werden kann. Die prognostizierten Klimaänderungen könnten zudem wichtige Bodenparameter beeinflussen.
  • Insgesamt gesehen könnte die Agrarstruktur durch den prognostizierten Klimawandel beeinflusst werden, beispielsweise durch sich ändernde biotische und abiotische Schadfaktoren, aber auch durch die sich verlängernde Vegetationsperiode. Der Anbau neuer Kulturpflanzenarten, die zum Beispiel wärmeliebender und trockentoleranter sind als die zurzeit angebauten Arten, könnte auch zu Strukturveränderungen führen. Häufig auftretende Sommertrockenheit und milde Winter würden zudem den Anbau von Winterungen (z.B. Wintererbsen, siehe TP19) im Vergleich zu Sommerungen begünstigen.

Diese und weitere Hypothesen bilden die Grundlage für die Durchführung der Forschungsarbeiten.

Untersuchungsmethoden

Ziel der experimentellen Ansätze ist es, unter möglichst natürlichen aber teilweise noch kontrollierbaren Bedingungen Versuche durchzuführen, in denen Witterungseinflüsse wie erhöhte Winter-,  Frühjahrs-, Sommer- und Herbsttemperaturen, Starkregen oder Sommertrockenheit simuliert werden. Diese Experimente werden je nach Versuchsfrage z. B. in der Klimakammer, im Pflanzenwuchsschrank, im Gewächshaus, in einer Miniplotanlage mit Bodentemperierung im Freiland, in begehbaren Kleingewächshäusern („Mini-Agrarökosysteme“) im Freiland, sowie im freien Feld durchgeführt. Es werden wichtige Parameter von Schaderregern (z.B. Überlebensrate, Infektionsbedingungen, Entwicklung), Kulturpflanzen (z.B. Symptome, Schäden, Biomasse, Ertrag) und Boden (z.B. Aktivität, Biomasse, Umsatz, C-Sequestrierung) erhoben. Der Faktor Temperatur und teilweise die Feuchte werden in diesen experimentellen Arbeiten systematisch variiert. Als Grundlage dienen die historischen Wetterdaten (1971-2000) und die aufgrund der Globalerwärmung voraussichtlich in Zukunft mittelfristig (2021-2050) und langfristig (2071-2100) herrschenden Klimabedingungen in Niedersachsen. Aktuelle Wetterdaten wie zum Beispiel Luft- und Bodentemperatur, Niederschlag, Luft- und Bodenfeuchte werden ebenfalls gemessen. Weitere Informationen können aus den nachfolgenden kurzen Beschreibungen der einzelnen Teilprojekte entnommen werden.