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TP 2.2: Bedarf und Verfügbarkeit von Wasser für die Wasserversorgung

Das Teilprojekt 2.2 liefert wichtige Eingangsdaten für das Teilprojekt 3.3 Hochwassermanagement, da eine langfristige Prognose des Trinkwasserbedarfs eine wichtige Randbedingung für die Nutzung des Betriebsraums der Harztalsperren und die Entwicklung von Nutzungsalternativen ist. Aber auch für andere Teilprojekte ist die zukünftige Verfügbarkeit von Wasser, insbesondere Grundwasser, als Ergebnis der Wasserhaushaltsmodellierung eine wichtige Eingangsgröße. Die folgende Darstellung konzentriert sich auf die Bedarfsseite.

Abb. 1: Im Wasserbuch des NLWKN erfasste Entnahmen nach Wirtschaftsbereichen im Einzugsgebiet der Aller, Mittelwert der Jahre 2008-2010

Die Abbildung 1 zeigt eine Auswertung der im Wasserbuch des NLWKN erfassten Entnahmen im Einzugsgebiet der Aller. Danach entfällt der Großteil der erfassten Entnahmen auf privaten Verbrauch und Dienstleister, gefolgt von Brauchwasser der Industrie. Erst an dritter Stelle folgt der Bewässerungsbedarf der Landwirtschaft. Über den Erfassungsgrad insbesondere im letztgenannten Bereich besteht derzeit noch Unklarheit.

Unterstellt man, dass die Angaben der Abbildung 1 im Wesentlichen zutreffen, gibt die Bevölkerungsentwicklung einen Hinweis auf den zukünftigen Wasserbedarf. Hierfür wurden regionale und nationale Prognosen der Bevölkerungsentwicklung ausgewertet. Für die nahe Zukunft (2021-2050) ist die Prognose des statistischen Bundesamtes ausreichend. Für die ferne Zukunft (2071-2100) jedoch war eine Fortschreibung mit den in SRES 2000 für Westeuropa getroffenen Annahmen erforderlich. Die Anwendung des in der Prognostik üblichen Kohortenverfahrens führte zu dem in Abbildung 2 gezeigten Ergebnis.

Abb. 2: Fortschreibung der amtlichen Bevölkerungsprognose für Niedersachsen

Für die nahe Zukunft ist die Prognose des Statistischen Bundesamtes hinreichend. Da das Szenario A1B von einem stärkeren Bevölkerungsrückgang ausgeht als das Szenario A2, ist es naheliegend, für ersteres die obere Grenze und letzteres die untere Grenze der amtlichen Prognose zu verwenden.

Für die ferne Zukunft des Szenario A1B führt eine geringe Geburtenrate und eine begrenzte Zuwanderung zu einem starken Bevölkerungsrückgang, der bis 2100 und darüber hinaus anhält. Ein höherer Anstieg der Lebenserwartung, eine höhere Zuwanderung sowie eine höhere Geburtenrate lassen in der fernen Zukunft des Szenarios A2 den Bevölkerungsrückgang ausklingen. Nach 2095 ist unter den getroffenen Annahmen sogar eine leichte Bevölkerungszunahme zu verzeichnen.

Die Prognosen deuten eine Entlastung des Talsperrensystems im Westharz bezüglich der Trinkwasserversorgung an. Eine Substitution von möglicher Weise stärker durch diffuse Einträge belastetem Grundwasser durch Talsperrenwasser sowie verstärkte Verwendung von Talsperrenwasser in Industrie und Landwirtschaft könnte die Auslastung der Talsperren konstant halten. Die Bedeutung anderer Nutzungen wie Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung und Energieerzeugung kann mit der Trinkwasserversorgung neu abgewogen werden.

Literatur:

Statistisches Bundesamt Deutschland DESTATIS, Eisenmenger, Matthias; Pötzsch, Olga; Sommer, Bettina; (2006): Bevölkerung Deutschlands bis 2050 – 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Wiesbaden : Statistisches Bundesamt – Pressestelle.

IPCC Nebojsa Nakicenovic and Rob Swart (Eds.) (2000): Special Report on Emission Scenarios SRES. Cambridge University Press, UK. pp 5707

Leitung: Prof. Dr.-Ing. G. Meon
Bearbeiter: Dipl.-Ing. M. Gocht
Technische Universität Braunschweig
Leichtweiß-Institut für Wasserbau
Abt. Hydrologie, Wasserwirtschaft und Gewässerschutz

KLIFWA/TP 2.2